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Was wird sich nach Corona ändern – was soll sich ändern?

Meinungen und Analysen zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen

Lukas Matzinger schreibt im Falter vom 10.4.2020 unter dem Titel „Osterzopf und Peitsche“: „Türkis-Grün will das Volk streng durch die Krise führen und verschleiert seine Verordnungen. … Eine Regierung, die glaubt, sich dem Volk nicht mehr erklären zu müssen, scheint eines vergessen zu haben: Die Zahl der Corona-Kranken im Land sinkt nur deshalb, weil sich die Menschen so rücksichtsvoll an die strengen Regeln halten. Dass die Österreicher der Gefahr Verantwortung entgegenhalten, hält die Regierung nicht davon ab, sie weiter wie Problemkinder anzusprechen.“
> mehr über entmündigende Regierungskommunikation

Isolde Charim schreibt im Falter vom 25. März 2020: „Keiner weiß wirklich, wie die Post-Corona-Welt aussehen wird. Was man aber sehen kann, sind die Veränderungen, die das totale gesellschaftliche Phänomen bereits bewirkt hat: Es hat die neoliberale Logik zumindest unterbrochen.

Es ist ein Umschalten von unhinterfragtem Streben nach Profit als einzigem Gesellschaftsziel zum Erhalt von Leben. Ein Umschalten vom Dogma des Nulldefizits auf „koste es, was es wolle“. Ein Umschalten vom siegesgewissen Zugriff auf die Welt hin zur Erfahrung einer klassenübergreifenden Verletzlichkeit (auch wenn die Folgen der drastischen Maßnahmen die Menschen je nach sozialer Lage völlig unterschiedlich treffen).Ein Umschalten von gnadenloser Konkurrenz auf Rücksicht. Zumindest derzeit. Und auch nur innerhalb der je eigenen Grenzen. Auch die triumphalistische neoliberale Vereinzelung ist einer Vereinzelung der Schutzbedürftigkeit gewichen.

All dies ist durchaus ambivalent: Kann denn die Erfahrung von Schwäche emanzipatorisch sein? Und das Umschlagen von Marktdominanz auf politisches Kommando ein Fortschritt? Wir wissen nur, was die Geschichte lehrt: Seuchen waren nie moralische Besserungsanstalten, aus denen die Menschen geläutert und die Welt verbessert hervorging. Nur verändert.“

Wie in jedem (Um)bruch stecken in der Coronakrise (abgesehen von den gesundheitlichen Gefahren) Unsicherheit und Bedrohung, aber auch Chancen und Möglichkeiten. Unser AutorInnen blicken kritisch, aber hoffungsvoll in die Zukunft. Lernen wir aus der Krise und stellen wir die Weichen neu, im Sinne der Nachhaltigkeitsziele – der 17 SDGs. Nutzen wir die Chancen um eine bessere Welt zu schaffen.

Meinungen zu den von den meisten europäischen Regierungen getroffenen Schutzmaßnahmen
> zu unserer Seite „CORONA DISKURS“

Der Virus des „Krisennationalismus“

(03.04.2020) Der Friedensforscher Werner Wintersteiner schreibt: „Die CoronaKrise führt uns den Zustand der Welt vor Augen.Siezeigt uns, dass die Globalisierung bislang gegenseitige Abhängigkeit ohne gegenseitige Solidaritätgebracht hat.Das Virus verbreitet sich global, und seine Bekämpfung würde globale Anstrengungen auf vielen Ebenen erfordern. Doch die Staaten reagieren mit nationalem Tunnelblick. Hiersiegt die (nationalistische) Ideologie über die Vernunft, manchmal selbst über die beschränkte ökonomische oder gesundheitspolitische Vernunft. Nicht einmal in der selbstproklamierten „Friedensmacht Europa“, der Europäischen Union, ist ein Zusammenhalt zu spüren. Die Mitgliedsstaaten sind vom Krisennationalismus erfasst.“
> weiter in Werner Wintersteiners Beitrag lesen

Für den Erhalt demokratischer Strukturen kämpfen

Für demokratische Strukturen in Staat und Gesellschaft wurde lange gekämpft. Doch das Erreichte darf nicht als selbstverständlich angesehen werden: Man muss es stets verteidigen und sich weiter dafür einsetzen, schreibt Alexia Weiss in „Arbeit & Wirtschaft“. Die Autorin spürt den Ursprüngen der Mitbestimmtung nach, den Wegen zur Selbstermächtigung und fragt, ob wir auf dem Weg von der Demokratie zur Postdemokratie sind. > zum A&W-Beitrag

Corona-Pandemie zeigt die Instabilität der neoliberalen Wirtschaft

(26.03.2020) Attac Österreich schreibt: „Die Art, wie die Weltwirtschaft, wie Welthandel, Finanzmärkte, Landwirtschaft, Lohn- und Sorgearbeit heute organisiert sind, verwandelt die Corona-Pandemie in eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich die Corona-Pandemie nicht nur zur schwersten Gesundheits-, sondern auch zur schwersten Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte entwickeln könnte.“ > weiter lesen

Lisa Mittendrein stellt die Zusammenhänge dar: „Dass eine Pandemie schwere wirtschaftliche Folgen hat, ist klar. Doch die Folgen, die wir jetzt sehen, sind spezifisch für den neoliberalen Kapitalismus, in dem wir leben. Erstens trifft die Pandemie auf eine Weltwirtschaft, in der sich schon seit 2019 ein Abschwung abzeichnete. Die Profitraten waren bereits vor Corona niedrig, die Schulden der Unternehmen hoch, die Reserven ausgedünnt und die bezahlten Arbeitsstunden nahmen weltweit ab. Viele
europäische Staaten sind durch die Kürzungspolitik nach der Eurokrise finanziell und infrastrukturell schlecht aufgestellt.“

> weiter in der Attac-Website lesen

Wir müssen die Weichen für eine andere Zukunft stellen

(24.03.2020)  Ökonom Stephan Schulmeister erklärt im Interview mit KONTRAST wie wir aus der Krise heraus kommen
können und sagt u.a.: Es gibt drei ‚Brandbeschleuniger‘, die unbedingt gestoppt werden müssen. Das ist erstens die Angst der Menschen vor der Zukunft. Man muss jetzt beruhigende Botschaften schicken. Das ist zweitens die drohende
Massenarbeitslosigkeit und das sind drittens Unternehmenspleiten. – Diese drei Faktoren hat die Regierung schon teilweise bekämpft, wie zum Beispiel mit dem Kurzarbeitsmodell.“
> weiter zum Video > weiter zur Zusammenfassung  > zum Podcast

Entschlossenes Handeln notwendig – jetzt und danach

(21.03.2020) Die Solidarwertstatt schreibt: „Die Coronapandemie greift in unser Leben unmittelbar ein. Entschlossenes rasches Handeln ist notwendig. Wir wollen nicht in eine Situation kommen, in der Ärzte darüber entscheiden müssen, wessen Leben angesichts knapper Ressourcen noch lebenswert ist. Doch wir müssen auch hier und heute die Frage stellen, ob unser Gesundheitssystem bzw. unsere Sozial- und Wirtschaftspolitik auf dem richtigen Weg sind. Nie wieder Kürzungen bei Gesundheit und Pflege! Weg mit dem Deckel! Ausreichende Akutbetten in Krankenhäusern sind wichtiger als die Motorleistung des neuen SUV.  Die Solidarwerkstatt fordert, die ‚Politik der Dürre‘ (des Sparens im Gesundheitssystem) sofort zu beenden.
> weiter in der Solidarwerkstatt lesen

Hoffnung – Über Wandel, Wissen und Wunder

(20.03.2020) Autorin Ilse Kleinschuster schreibt: „Gerade noch hatte ich Hoffnung gewonnen, schon ist sie zerronnen.  Vielleicht kann hier Fred Luks Buch „Hoffnung – Über Wandel, Wissen und Wunder“ weiterhelfen. Vielleicht kennt der profilierte Nachhaltigkeitsexperte sich besser aus, was praktisch-mögliche (Über-)lebens-strategien betrifft, wie sie ja bisher immer und überall wo Menschen sind, die den Problemen klar ins Auge sehen, zu finden sind.“ > weiter in Ilse Kleinschusters Beitrag lesen

Dank an Einsatzkräfte und Verkaufspersonal – Warnung vor Trittbrettfahrern

(19.03.2020) Die GewerkschafterInnen gegen Atomenergie und Krieg schreiben: „Allen, die mithelfen das Coronavirus einzudämmen, besonders den für die Aufrechterhaltung unseres täglichen Lebens arbeitenden Menschen, vor allem dem Spitals- und Pflegepersonal, dem pädagogischen und psychologischen Personal und allen, die uns mit den Waren des täglichen Bedarfs versorgen, gehört unsere volle Anerkennung und unser aller aufrechter Dank! Allerdings sind im Windschatten von Corona auf politischer und wirtschaftlicher Ebene einige Trittbrettfahrer unterwegs, die die Bereitschaft zum Zusammenhalt in der Bevölkerung auszunutzen oder gar in andere Bahnen zu lenken versuchen ….“ > weiter den ggae-Artikel lesen

Vorschau mit Rückblick auf Corona – Herbst 2020

(18.03.2020) Abfang-Autor Gerhard Kofler schreibt: „Es kommt die Zeit ‚danach‘, nach der Ausnahmesituation rund um das SARS-CoV-2-Virus. … Wir werden denken, dass es doch gut war, wie die Regierungen auf die Pandemie reagiert haben. Doch wir wissen auch, dass der sozialen Ungleichheit und dem Klimawandel mit ähnlicher Heftigkeit begegnet werden müsste, um diese einzubremsen. Seit dem Bericht des Club of Rome im Jahr 1972 – vor 48 (!) Jahren – wissen wir, dass unsere Ressourcen endlich sind, dass wir auf die Umwelt achten müssen und es nur eine Welt gibt („Raumschiff Erde“).  Seither hat sich viel getan, aber in die falsche Richtung. Energieverbrauch, Individualverkehr, Ressourcenverbrauch, Bodenversiegelung u.a.m. haben EXPONENTIELL zugenommen. Und die Ungleichheit ist extrem gestiegen: einige wenige Menschen besitzen mehr als die Hälfte des kompletten Vermögens auf dieser Welt. Wann nehmen wir also die Sache endlich in die Hand und zeigen den selben Einsatz und die Disziplin wie bei der Coronakrise?“
> weiter in G. Koflers Beitrag lesen