Friedensmenschen in Österreich

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Neben den im Friedensbereich sehr bekannten österreichischen Frauen und Männer, wie Bertha von Suttner, Alfred Fried, Karl Kraus und Franz Jägerstätter, gibt es noch unzählige Persönlichkeiten, die sich viele Jahre ihres Lebens für Frieden, Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit eingesetzt haben bzw. noch immer einsetzen.

Bild: Internationaler Versöhnungsbund
Interview mit Hildegard Goss-Mayr (Video)

Hildegard Goss-Mayr

Die Friedensaktivistin widmet ihr Leben seit 1953 im Auftrag des Internationalen Versöhnungsbundes der gewaltfreien Konfliktlösung. 1962 begann Goss-Mayr ihre Arbeit in Lateinamerika für den Aufbau gewaltloser Befreiungsbewegungen. Sie wurde Beraterin von Dom Hélder Câmara. Auch der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Maria Pérez Esquivel erklärt sich von Goss-Mayr beeinflusst. Für das Zweite Vatikanische Konzil erstellte Goss-Mayr zusammen mit den Theologen Bernhard Häring und Karl Rahner Vorschläge zur Gewaltlosigkeit, die in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes Niederschlag fanden.
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Stefan Matzenberger

Der von den Ereignissen im 2. Weltkrieg geprägte niederösterreichische Friedensaktivist sendet in der Vorbereitungszeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) zwei ausführliche Stellungnahmen an die Theologische Kommission Dabei geht es ihm vor allem um das Revidieren der Lehre vom sogenannten ‚gerechten Krieg‘. Matzenberger behauptet: „Eine gerechte und christliche Menschenschlächterei gab es nicht und gibt es nicht. Ein gerechter Krieg ist ebenso unmöglich wie eine liebevolle Barbarei.“ Für ihn ist ausnahmslos jeder Krieg ungerecht, unchristlich und rechtlich verwerflich. Matzenberger (1919–1986) erreichte durch seinen rastlosen Einsatz die Schaffung der päpstlichen Kommission ‚Justitia et Pax‘, kämpfte für die Einführung des Weltfriedenstages – jeweils am 1. Jänner – durch Papst Paul VI und konnte zahlreiche  Gesetze in Österreich mitgestalten.

                Bild: Gemeinde Ertl
                   Bild: ÖSZFK / ASPR

Gerald Mader

Neben seinem Beruf als Rechtsanwalt engagierte sich der Niederösterreicher als Vizepräsident der Österreichischen Liga für Menschenrechte und war von 1987 bis 1996 Präsident der NFI, der Internationale der Naturfreunde. Als Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag war Mader Initiator und erster Vorsitzender der Burgenländischen Volkshochschulen und des Vereins Burgenländischer Kulturzentren und war ab 1983 als Präsident des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung in Stadt Schlaining aktiv, wobei er 1988 auch die European Peace University gründete.

Hans Thirring

Der Wiener Physiker und Politiker der SPÖ setzte sich stark für die Friedensbewegung ein und propagierte die als Thirring-Plan bekannt gewordene Idee der einseitigen Abrüstung Österreichs. Am 12. Dezember 1963 löste er damit im Parlament einen Tumult aus. Sein Konzept für das neutrale Österreich beinhaltete eine komplette Abrüstung und die Auflösung des Bundesheeres, die Grenzen sollten von UNO-Soldaten bewacht werden.

(text: abfang redaktion)

 

                      Foto: Georg Fayer

Werner Hörtner

Abschied vom österreichischen Lateinamerikaexperten und Publizisten Werner Hörtner (1948 2015)

von Erich Hackl

Links und glücklich

Unlängst las ich in einer Zeitung, dass Linke meist eher unglücklich sind. Daten aus 70 Ländern hätten dies ergeben: je weiter links, desto unglücklicher. Die Meldung ist nicht so dumm, wie sie sich anhört: Links sein heißt ja in erster Linie gegen etwas sein, angesichts der Beschaffenheit einer Welt, für die man Verantwortung trägt, und die unerfüllte Sehnsucht nach kollektiver Veränderung mindert das individuelle Glücksvermögen. Deshalb sind wir oft unleidlich, ungeduldig, verzweifelt. Das war auch mein erster Gedanke während der Lektüre; aber dann fiel mir als personifiziertes Dementi der Umfrage Werner Hörtner ein, der sein Leben lang das Unrecht beharrlich bekämpft hat und sich doch nicht anstecken ließ von der heimlichen Sorge, dass unser Bemühen vergeblich sei. Er war in materiellen Dingen von einer geradezu asketischen Anspruchslosigkeit, sprühte aber vor Lebenslust und war zur Freundschaft begabt wie kaum ein anderer.

Von unserer ersten, noch flüchtigen Begegnung vor 40 Jahren, bei einer Solidaritätsveranstaltung für das unter der Militärdiktatur leidende Uruguay, haben sich mir seine Besonnenheit und seine Verlässlichkeit eingeprägt. Mit Verlässlichkeit meine ich Werners Tugend, in der Hingabe für eine Sache immer auch an andere zu denken, denen das Wissen, das er sich eben beschafft hatte, nützlich sein könnte; mit Besonnenheit nicht Vorsicht, sondern die Geduld, zuzuwarten, bis sich der Charakter seines Gegenübers enthüllte. Ein Urteil fällte er erst, wenn er seiner Sache sicher war. Diese Haltung prägte auch seine publizistischen Arbeiten. Obwohl sie fast immer der politischen Aktualität verpflichtet, also unter Zeitdruck entstanden waren, wirkten sie nie gehetzt. Aber er war ja, zusammen mit seinen Gefährten der Informationsgruppe Lateinamerika, 1976 auch angetreten, die von Oberflächlichkeit und ideologischem Interesse bestimmte Berichterstattung zu Lateinamerika, zumal in Österreich, zu korrigieren – mit der Organisation von Veranstaltungen, Journalistenbetreuung und der weiterhin erscheinenden Zeitschrift „Lateinamerika anders“.

An Mut hat es ihm nicht gefehlt. An seinen jährlichen Reisen durch Kolumbien, das ihm zur zweiten von mehreren Heimaten geworden war, hielt er auch in den schlimmsten Jahren des staatlichen, privatwirtschaftlichen oder unter dem Deckmantel der Befreiung betriebenen Terrors fest, und dass er jedes Mal unbeschadet zurückkehrte, kann ich mir nur mit seiner Unschuld erklären, die sogar Strauchdiebe, Paramilitärs und anderes Gesindel davon abhielt, ihn auszurauben oder abzumurksen. Seine Reportagen trumpften nie mit der Autorität des Selbsterlebten auf, auch hierin war er zurückhaltend aus Veranlagung und Prinzip. In den beiden Büchern über Kolumbien, die er rasch und mit der ihm eigenen Disziplin verfasst hat („Kolumbien verstehen“ 2006, „Kolumbien am Schweideweg“ 2013), tritt er nur an einer Stelle als Chronist hervor, als er die indigene Gemeinschaft der Nasa im Cauca schildert, die sich ebenso hartnäckig wie erfolgreich gegen die Militarisierung ihres Gebietes wehren – und mit gewaltlosen Mitteln. Friedfertigkeit als Voraussetzung würdevollen Lebens, das war ihm Appell und Praxis zugleich. Deshalb mochte er es nicht, wenn man andere vorschnell, rechthaberisch oder gar gehässig kritisierte.

Werner war immer für Überraschungen gut. Als ich ihn und seine Familie (seine Frau Stella Muñoz, die Kinder Pablo und Maria) 1984 in Managua besuchte, wo er ein Jahr lang für die alternative Nachrichtenagentur APIA arbeitete, las er zu meiner Verblüffung gerade Heimito von Doderers Roman „Die Strudlhofstiege“. Mitten in den Tropen, in einem von konterrevolutionärer Gewalt bedrohten, von Mangel und Armut erschütterten Land, in dem sich die Familie so gut es ging zu behaupten versuchte, versenkte sich Werner nach dem ersten Hahnenschrei morgens eine Stunde lang in den Kosmos des gehobenen Wiener Bürgertums der 20er-Jahre. Eigentlich absurd, könnte man meinen. Allerdings ist bei Doderer eine Position angesprochen, die Werner zeitlebens eingenommen hat, die der Apperzeption, also die Bereitschaft, das Leben in all seinen Facetten anzunehmen und zu feiern. Das Besondere, Eigenwillige an ihm war, dass er trotzdem wie die Apperzeptionsverweigerer soziale Veränderungen und revolutionäre Brüche für wünschens- und erstrebenswert hielt. Man wird wohl nie erfahren, wie viele politisch Verfolgte, Gewerkschafter, Vertreterinnen indigener Völker und von den österreichischen Behörden um ihr Existenzrecht betrogene Flüchtlinge Werner über Wochen und Monate bei sich aufgenommen, ihnen Schutz und Hilfe geboten hat.

Es kostet mich viel Überwindung, über ihn im Imperfekt zu schreiben, weil er einem so gegenwärtig ist, mit seiner etwas gebeugten Gestalt, seinen bedächtigen Gesten, seiner leisen Stimme. Weil er in meinem Leben auch dann anwesend war, wenn er gar nicht dabei war. Als Vorbild oder weil man sich an ihm reiben konnte und weil es mit ihm immer lustig war. Seit er vor zwei Jahren als Redakteur der entwicklungspolitischen Monatsschrift „Südwind“ in Pension gegangen war, blieb ihm mehr Zeit, seine vielen Pläne in die Tat umzusetzen. Er war damit beschäftigt, seine Tagebücher zu sichten, in denen er in einer Art Personalunion aus Goethe und Eckermann seine Gedanken und Erlebnisse über Jahrzehnte festgehalten hatte, machte sich an die Übersetzung eines Romans des Kolumbianers Gustavo Álvarez Gardeazábal, schrieb an einem Buch über ein Heim für drogenabhängige Straßenkinder, das der katholische Ordensbruder Gabriel Mejía Montero in Medellín mit ungewöhnlichen Heilmethoden, hoher Erfolgsquote und dem unbändigen Glauben an die Kraft der Liebe leitet. Dieser Glaube hat auch Werner beseelt. Nicht zuletzt deshalb vermisse ich ihn so sehr.

Friedensmenschen gesucht

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